Widersprüche und Fehler in der Bibel?

Anfang Juni 2002 erhielt ich folgende Mail von Markus:

Lieber Peter!

Während Jesus sagt, "wer nicht gegen uns ist, ist für uns", sagt Paulus,
"wer nicht für uns ist, ist gegen uns".
Da Du Dich häufig auf Paulus beziehst, interessiert es mich, wie Du Dir diesen Widerspruch erklärst. Antwort auf Kommentar Markus vom 08. 06. 2002
Ich denke, da liegt ein kleines Missverständnis vor.
Paulus sagt nicht wer nicht für uns ist, ist gegen uns. An keiner Stelle.

Gott sagt durch Paulus in Römer 8,31 "Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?"

Die beiden zitierten Sätze sind aber schon aus der Bibel, und zwar von Jesus selber.

Es sind:
aus Markus 9,40:"denn wer nicht wider uns ist, ist für uns."
und aus Lukas 9,50:"Und Jesus sprach zu ihm: Wehret nicht; denn wer nicht wider euch ist, ist für euch."

Der andere Satz steht in Lukas 11,23. Da sagt der Herr Jesus:
"Wer nicht mit mir ist, ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut."

Wenn jetzt jemand die Bibel und die Art wie sie geschrieben ist, nicht besonders gut kennt, kann er hier schon der Eindruck bekommen, das sich hier endlich der viel gesuchte Widerspruch befindet.

Aber dem ist nicht so.
Hier ist der Kontext wichtig. Das ist der »Textblock« in dem die gemacht Aussage steht. Also das Umfeld des Gesagten oder wie im Falle des Paulus des Geschriebenen.

Wie sieht das hier aus?

Markus berichtet in Markus 9,38 - 42:
"Johannes aber antwortete ihm und sprach: Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt, Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus aber sprach: Wehret ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunderwerk in meinem Namen tun und bald übel von mir zu reden vermögen wird; denn wer nicht wider uns ist, ist für uns.
Denn wer irgend euch mit einem Becher Wassers tränken wird in meinem Namen, weil ihr Christi seid, wahrlich, ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren.
Und wer irgendeinen der Kleinen, die glauben, ärgern wird, dem wäre besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt, und er ins Meer geworfen würde."

Lukas berichtet von wahrscheinlich der gleichen Begebenheit in Lukas 9,49 - 50:
"Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er dir nicht mit uns nachfolgt. Und Jesus sprach zu ihm: Wehret nicht; denn wer nicht wider euch ist, ist für euch."

Ich denke wer hier einen Widerspruch hineininterpretiert ist schon sehr böswillig. Hier gibt es, bei genauer Betrachtung auch keine echten Unterschiede.
Jeder der Evangelisten gibt das gleiche Geschehen so wieder, wie es sich ihm durch Erleben (Markus) eingeprägt wurde, oder wie es ihm erzählt wurde (Lukas).
Jeder der zwei gibt aber absolut konkrete Geschehnisse wieder.
Gott vergewaltigt niemand. Auch nicht die Schreiber der Bibel. Was sie nicht wussten konnten sie nicht schreiben.
Ausnahme: die Propheten.

Aber kommen wir doch zu dem scheinbaren Widerspruch in Lukas 11 Vers 23.
Auch hier wieder der Zusammenhang. Lukas 11, 15 - 26:
"Einige aber von ihnen sagten: Durch Beelzebub, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
Andere aber, ihn versuchend, forderten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel. Da er aber ihre Gedanken wusste, sprach er zu ihnen:
Jedes Reich, das wider sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus wider Haus entzweit, fällt.
Wenn aber auch der Satan wider sich selbst entzweit ist, wie wird sein Reich bestehen? weil ihr saget, dass ich durch Beelzebub die Dämonen austreibe.
Wenn aber ich durch Beelzebub die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.
Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch hingekommen. Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so ist seine Habe in Frieden;
wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn besiegt, so nimmt er seine ganze Waffenrüstung weg, auf welche er vertraute, und seine Beute teilt er aus.
Wer nicht mit mir ist, ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.
Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Örter, Ruhe suchend; und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin; und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt.
Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit, böser als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen daselbst; und das Letzte jenes Menschen wird ärger als das Erste."

Hier war die Situation eine völlig andere.

Ich will versuchen den scheinbaren Widerspruch in einer Tabelle zu klären.

 

Markus 9,38 - 42 und Lukas 9,49 - 50
Wer nicht gegen uns ist, ist für uns.

Lukas 11, 15 - 26
Wer nicht für mich ist ist gegen mich.

Ausgangssituation:

Jemand treibt im Namen Jesu, aber ohne seinen ausdrücklichen Auftrag Dämonen aus. Die Jünger handeln wahrscheinlich aus Sorge der Name des Herrn könnte nicht genug geehrt werden, oder auch aus Eifersucht.

Ausgangssituation:

Die Menschen, die Ihm eine Falle stellen wollten, oder aber eine gute Show wollten verlangten ein Wunder.

Beweggrund des «Täters»:

Ich vermute: Er wollte helfen.
Aber auch wenn seine anfänglichen Beweggründe vielleicht nicht so selbstlos waren, wenn er sogar nur zuerst nur Selbstbestätigung oder Ruhm und Geld wollte kam unter dem Strich etwas Gutes heraus.
Weil, ja weil er dann doch noch eine wichtige Voraussetzung erfüllte. Er handelte letzlich nicht aus eigener Vollmacht. Er lieh sie sich gewissermassen, bei dem der allein darüber verfügen konnte.

Beweggründe der «Täter»:

Sensationsgier bei der letztendlich nichts zum Ruhm Gottes geschah.
Sie nahmen ja sogar in Kauf, das der Herr Jesus eventuell wirklich durch die Hilfe des Teufels handelte.
Sie hatten im Laufe der Zeit die der Herr Jesus nun schon unter Ihnen war und heilte und das Reich Gottes predigte, nichts, aber auch gar nichts begriffen.

Reaktion Jesu:

Er steht zu seinen Verheißungen.
Er hatte gesagt:
"Um was irgend ihr bittet in meinem Namen, das will ich euch geben." Steht Johannes 14 Vers 14

Reaktion Jesu:

Ich denke er ist traurig, vielleicht sogar ein wenig Zornig.
Er hatte gesagt:
Es ist gesagt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen". {das steht in 5. Mose 6,16}

Um nichts anderes geht es hier.

Jener Unbekannte handelt, das bezeugen hier die Jünger, im Namen Jesu.
Es hatte ihn zwar niemand, auch Gott nicht, ordiniert oder sonst wie bevollmächtigt, aber er handelt, warum auch immer richtig.

Das heißt er sagt nicht: Ich will, das dies und jenes geschieht.
Sondern er sagt, so die Zeugen:
Jesus will, daß dies und das geschieht.

Um nichts anderes geht es hier.

Diese Menschen interessiert nur eins. Action pur. Es muss was los sein in Israel. Diesen Jesus musste man gesehen haben. Der ließ den Teufel tanzen Das war ein Knaller. Es war Ihnen dabei völlig egal ob das was geschah von Gott oder vom Teufel war. Wie schon gesagt:
Hauptsache Action

Die Bibel sagt dazu im Galaterbrief 6,7 "Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten."

Fazit:

Solange etwas zur letztlich Ehre Gottes geschieht, auch wenn ich das als wiedergeborener Christ nicht gut finde, ist es gut in den Augen Gottes. Auch wenn es wieder meine ganze Natur geht, mir völlig gegen den Strich. Auch wenn ich selber unter keinen Umständen da mitmachen könnte. Wenn auch nur ein Mensch dadurch Gott wirklich näher kommt habe ich das zu tolerieren.

Fazit:

Wenn etwas aus »unlauteren Motiven« geschieht kann Gott das nicht segnen. Auch wenn die Folgen für mich als wiedergeborenen Christen nur das Beste wären, darf ich nicht sagen: »Der Zweck heiligt die Mittel«. Das tat er nie und das tut er nie.

Wer nicht gegen uns ist, ist für uns.
sagt Jesus.
Letztendlich kommt das was dieser Mann tut, der »Sache« zugute.

Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.
sagt Jesus
Gott ist kein Clown.
Wer immer ihn so behandelt, wird fürchterlich dafür bestraft werden.


Man kann also abschließend, meine ich, sagen:
Hier ist von ähnlichen aber nicht identischen Ereignissen die Rede.  Wenn wir einen Prediger unserer Tage beobachten werden wir feststellen, das er, wenn er zu verschiedenen Zuhörergruppen über das gleiche Thema spricht durchaus die Gewichtungen anders setzt. So wie Jesus hier auch.

Für die Behauptung die Bibel enthielte Fehler muß oft der Hase herhalten. Steht doch in 3. Mose 11, 4 - 7"Nur diese von den wiederkäuenden und von denen, die gespaltene Hufe haben, dürft ihr nicht essen: das Kamel, denn es käut wieder, aber gespaltene Hufe hat es nicht: unrein soll es euch sein; den Klippdachs, denn er käut wieder, aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein; den Hasen, denn er käut wieder, aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein; das Schwein, denn es hat gespaltene Hufe, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, aber es käut nicht wieder: unrein soll es euch sein." 

Ha, ruft da jeder Schlaumeyer ein Fehler. Der Hase ist doch gar kein Wiederkäuer.

Nun dazu schreibt Reinhard Junker in Wort und WissenDiskussionsbeitrag 1/95:

«… Als beliebte Begründung für diese Auffassung wird darauf verwiesen, dass nach der Bibel der Hase ein Wiederkäuer sei (nachzulesen in 3. Mose 11,6 und 5. Mose 14,7). Und das sei ja nun offenkundig falsch. So berichtet z. B. Dr. Gerhard Maier in einem Aufsatz über Hermeneutik (Verstehenslehre), wie sein theologischer Lehrer, Professor Käsemann, dieses Argument seinen erstaunten Studenten entgegen hielt. Mir wurde selber in meiner Doktorprüfung die Frage gestellt, was ich denn antworten würde, wenn jemand mit dem Hinweis auf den "wiederkäuenden Hasen" die Irrtumslosigkeit der Bibel bestreitet.

Von Theologen kann man freilich nicht erwarten, dass sie sich in der Biologie der Hasenartigen auskennen. Doch sie hätten sich bei den Biologen erkundigen können. Es ist nämlich schon seit über 100 Jahren in der neuzeitlichen Biologie bekannt und veröffentlicht, dass Hasen tatsächlich Wiederkäuer sind, wenn auch in einer anderen Weise als die Rinderartigen. Diese Verhaltens- und Verdauungsweise der Hasenartigen habe ich im ersten Semester meines Biologiestudiums in der Tierphysiologievorlesung kennengelernt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass Prof. Hassenstein darauf aufmerksam machte, dass die biblische Beschreibung korrekt sei.

Mose wußte es offenbar schon viel früher, denn er bzw. seine Zeitgenossen hatten das göttliche Gebot verstanden, und dessen naturkundlichen Bezug durch genaue Naturbeobachtung nachvollzogen. Selbstverständlich haben sie ihre Beobachtungen nicht in der modernen wissenschaftlichen Fachsprache festgehalten, sondern in der Sprache der Anschauung. Tatsächlich: Die Bibel ist kein Naturkundelehrbuch, in dem systematisch wie etwa in Grzimeks Tierleben die verschiedenen Tiergruppen abgehandelt werden. Der wiederkäuende Hase wird in einem anderen Zusammenhang erwähnt, nämlich in den Verordnungen über reine und unreine Tiere. Inwiefern ist nun aber der Hase ein Wiederkäuer? Lassen wir das eben erwähnte Tierlexikon Grzimeks Tierleben zu Wort kommen. Im 12. Band wird auf S. 421f. folgendes geschildert:

 

"Im Jahre 1882 veröffentlichte Morot in einer französischen tierärztlichen Zeitschrift seine Beobachtungen über die schleimüberzogenen «Magenpillen» der Kaninchen. Außer der normalen festen Losung erzeugen diese Tiere nämlich eine zweite Kotform – weiche, schwachgeformte Kügelchen, die sie nach Ablage sofort aufnehmen und unzerkaut schlucken. Sie sammeln sich an einer bestimmten Stelle des Magens (in der Cardiaregion) und werden nochmals verdaut. Auf solche Weise geht ein Teil der Nahrung zweimal durch den Darm und wird dadurch besser aufgeschlossen. Diese Doppelverdauung ähnelt in gewisser Weise dem Wiederkäuen der meisten Paarhuferfamilien. Der weiche Kot (Caecotrophe) wird im Blinddarm gebildet und dort stark mit Vitamin B1 angereichert; nach den Untersuchungen von Scheunert und Zimmermann enthält er gegenüber dem normalen Kot die vier bis fünffache Menge an Vitaminen. Für die Hasentiere ist der «Blinddarm-» oder «Vitaminkot» lebenswichtig; er erleichtert ihnen vermutlich auch das Überstehen längerer Fastenzeiten bei ungünstiger Witterung" (Hervorhebung nicht im Original).

Übrigens berichtete mir ein Freund, dass seine Kinder das Kotfressen des Hasen selber beobachteten, ohne dass sie zuvor von dieser Eigenart gewußt hatten. Es war ihnen beim Beobachten von Hasen aufgefallen. (Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, dass sie es nicht besonders appetitlich fanden, aber Menschen sind nun mal keine Hasen.) Was Kinder beobachten können, konnten auch die Menschen vor über 3.000 Jahren feststellen. Das Wiederkäuen des Hasen haben sie nicht "erfunden". Sie konnten es genauso beobachten wie Zoologen der Neuzeit.

Welche Schlußfolgerungen können wir ziehen? An diesem Beispiel wird exemplarisch deutlich, dass die Bibel naturkundlich sehr wohl relevant ist, auch wenn sie die naturkundlichen Bemerkungen nicht lehrbuchhaft schildert, sondern im Rahmen eines anderen Zwecks. Der Hase ist kein Mitglied der rinderartigen Wiederkäuer; er gehört zoologisch in eine andere Säugetierordnung als die anderen Wiederkäuer. Doch in 3. Mose 11 geht es nicht um eine zoologische Systematik. Das, was die Bibel aber schildert, ist korrekt in einer anschaulichen, allgemeinverständlichen Art dargestellt. Der blinddarmkotfressende Hase ist ein gutes Beispiel dafür.»

und nun???

in Liebe
Peter Schuler