
In der Evangelischen Kirche (EKD) ist die Lutherübersetzung in der revidierten Fassung von 1984 der zum gottesdienstlichen Gebrauch empfohlene Bibeltext und wird auch in den liturgischen Büchern verwendet.
Sie hat nichts mehr mit der Lutherbibel, die Hans Luft 1534 in Wittenberg druckte gemeinsam. Muss man Luther noch einen Willen zur Textnähe bei bestmöglicher Verständlichkeit (Dem Volk aufs Maul geschaut) zugestehen scheint dieser Wille heute einem rein kommerziellen Interesse gewichen zu sein Text- und Bibelkritik feiern fröhlich miteinander. Nichtsdestotrotz ist sie immer noch die deutsche Bibel schlechthin. In der Reihenfolge der «guten» Bibeln würde ich Ihr einen fünften Platz einräumen.
Hier ein Auszug aus Wikipedia: Die Lutherbibel der einiges von dem Wandel der Lutherbibel zur Kirchenbibel wiedergibt:
«Jahrhundertelang wurde die Bibel von den Druckern und Bibelgesellschaften nach eigenem Gutdünken modernisiert, so dass es Ende des 19. Jahrhunderts notwendig wurde, in Zukunft einen einheitlichen, revidierten Text zu verbreiten.
Es ging dabei auch um die Rechtschreibung: Da die Bibel nach Luthers Übersetzung als Schulbuch diente, sollte der Schüler in ihr nichts lesen, was der Lehrer ihm beim Diktat als Fehler anstreichen würde. In den Jahren 1861 und 1863 wurden daher Grundsätze für die Feststellung eines einheitlichen Bibeltextes vereinbart und zehn Theologen mit der Revision des Neuen Testaments beauftragt. 1867 wurde probeweise ein Neues Testament herausgegeben; das Neue Testament war 1870 endgültig fertiggestellt. Jedoch gab es erst 1883 eine „Probebibel“ der Gesamtausgabe. 1892 wurde die erste „kirchenamtliche“ Revision (Durchsicht) für abgeschlossen erklärt, im Jahre 1912 die zweite.
In den Revisionen des 20.Jahrhunderts gerieten offensichtliche Fehlübersetzungen Luthers in den Blick, die seiner mangelnden Sachkunde der antiken und altorientalischen Welt zuzuschreiben waren (Beispiele: Kaninchen, Einhorn, Buchsbaum und anderes für den Orient Ungewöhnliche aus Zoologie und Botanik).
Vor allem aber änderte sich die Textgrundlage. Luther übersetzte den sog. Textus Receptus, die seit der byzantinischen Zeit vereinheitlichte und weit verbreitete, schließlich von Erasmus in Druck gegebene Textgestalt des Neuen Testaments. Die sog. Textkritik sammelt und bewertet demgegenüber die vielen Papyrusfragmente aus älterer Zeit, die zum Teil einen anderen Text bieten.
Die maßgebliche wissenschaftliche Textausgabe des Neuen Testaments, der Nestle-Aland, enthält einen unter Berücksichtigung dieser Papyrusfragmente erstellten Mischtext, der so von keiner einzigen alten Handschrift bezeugt wird. Diese wissenschaftliche Textausgabe ist aber die Grundlage der wichtigen modernen Bibelübersetzungen, sowohl der Einheitsübersetzung als auch der Guten Nachricht, und liegt auch allen Revisionsstufen der Lutherübersetzungen nach 1912 zugrunde.
1956 wurde die Revision des Neues Testaments abgeschlossen, 1964 die des Alten Testaments. 1970 wurden die Apokryphen abgeschlossen und fünf Jahre später einige Änderungen im Alten Testament zum Gebrauch angenommen, wobei zwei Gliedkirchen und Österreich die Einführung ablehnten.
In der Revision von 1975 ging es vor allem um eine Annäherung der Lutherübersetzung an den modernen Sprachgebrauch; z.B. wurde die sprichwörtliche Wendung „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ (Matthäus 5,15) getilgt, da der Scheffel als Getreidemaß heute nicht mehr bekannt sei. Stattdessen hieß es nun „Eimer“, was der 1975er Übersetzung den Namen „Eimertestament“ eintrug. Der Text von 1975 scheiterte aber nicht zuletzt daran, dass er z.B. in der Weihnachtsgeschichte zu tief in den Wortlaut eingriff, den viele Leser auswendig konnten und schätzten.
Schon 1977 beschloss der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland die Rücknahme radikaler Textveränderungen der letzten Revisionsstufe des Neuen Testaments (betroffen waren ca. 120 Textstellen). Die traditionellere Textgestalt wurde 1984 zum Gebrauch angenommen, war überaus erfolgreich und beendete die langjährige Krise um die Lutherrevision.
Die Inkonsequenz der 1984er Revision war zugleich ihre Stärke: An unbekannten Stellen hat sie sich rigoros vom Luther-Wortlaut verabschiedet, überladene Satzkonstruktionen (z. B. in Lukas 1,1ff) aufgelöst, den Wohllaut der Weihnachtsgeschichte und anderer Lieblingstexte aber nicht angerührt. Die Mitarbeiter der 1984er Revision entdeckten besonders den Satzbau Luthers als konstitutives Element seiner Übersetzung. Luthers oft einprägsame, rhetorisch geschliffene Sätze sollten nicht unnötig in zwei oder drei kürzere Sätze zerschlagen werden: es hatte sich gezeigt, dass das Auflösen längerer Sätze nicht zwangsläufig eine größere Verständlichkeit zur Folge hatte.
Unter anderem wurde anlässlich der 1984er Revision die Schreibung biblischer Namen neu geregelt. Die gescheiterte 1975er Revision hatte die ökumenische Schreibung biblischer Eigennamen (Loccumer Richtlinien) konsequent übernommen; die 1984er Lutherbibel meinte soviel Änderung dem Kirchenvolk nicht zumuten zu können und bot bei vielen Namen wieder die altgewohnte Lutherschreibung: Nazareth statt Nazaret, Kapernaum statt Kafarnaum, Hesekiel statt Ezechiel, Hiob statt Ijob.
Dadurch entstand ein einzigartiges Durcheinander, denn einerseits wurden Namen in alter, unökumenischer Schreibung präsentiert, in denen man nicht unbedingt schutzwürdiges evangelisches Kulturgut vermuten würde (Absalom, Asser, Ephraim, Jeftah usw.), andererseits hat "Luther 84" aber viele durchaus bekannte Namen in der Form der Loccumer Richtlinien, z.B. Rut (statt Ruth), Jonatan (Jonathan), Ester (Esther). Es gibt keinerlei Konsequenz in der Wiedergabe des hebräischen "bet", das in der Bedeutung "Haus" Bestandteil zahlreicher Ortsnamen ist: Bethlehem und Bethel werden in traditioneller Schreibweise geboten, Betanien und Betfage in ökumenischer Form.
Zwar gilt die Revision von 1984 heute als der kirchenamtlich "zum Gebrauch empfohlene" Bibeltext im Raum der EKD; es wurden aber 1999 wieder kleinere Veränderungen an diesem Text vorgenommen. Die wichtigste ist die durchgängige Ersetzung von "Weib" durch "Frau" nach dem Vorbild der evangelischen Agenden. An diesem Beispiel zeigt sich auch, wie stark die aktuelle Textgestalt der Lutherbibel im Spannungsfeld zwischen dem Wirtschaftsunternehmen Bibelgesellschaft und der EKD steht. Der EKD muss aus pragmatischen Gründen daran gelegen sein, die aktuelle Textgestalt der Lutherbibel für die nähere Zukunft beizubehalten; die Deutsche Bibelgesellschaft hätte wirtschaftliche Vorteile von neuen Revisionen, um etwa parallel zur künftig revidierten Einheitsübersetzung eine "neue" Lutherbibel auf den Markt bringen zu können.»
